Fotobox für Produktfotografie selber bauen: Aufbau, Licht, Maße


Artikel des gdefoto-Studios

Fotobox für Produktfotografie selber bauen: Aufbau, Licht, Maße

Ein günstiger Kasten aus Karton und Transparentpapier, der für kleine Produkte das Studio ersetzt.

Warum eine Fotobox für Verkäufer so viel bringt

Eine Fotobox, oft auch Lichtzelt, Lightbox oder Lichtwürfel genannt, ist ein geschlossener Kasten mit weißen, lichtdurchlässigen Wänden. Die Lampen stehen außen, das Licht fällt durch die Wände nach innen und umhüllt das Produkt weich und gleichmäßig von allen Seiten. Die eigentliche Aufgabe der Box ist es nicht, das Bild heller zu machen, sondern das Licht zu streuen: harte Schatten, grelle Reflexe und scharfe Kanten verschwinden, also genau die Merkmale, an denen man eine schnelle Handyaufnahme sofort als amateurhaft erkennt. Das physikalische Prinzip dahinter ist einfach: je größer die leuchtende Fläche im Verhältnis zum Produkt ist, desto weicher werden die Schatten. Eine teure Studio-Softbox arbeitet genau so, und die Fotobox wiederholt dasselbe Prinzip auf dem Tisch für ein paar Euro. Für alle, die auf Amazon.de, Otto, eBay oder Kaufland verkaufen, ist das der schnellste Weg zu sauberen, gleichmäßigen Bildern ohne gemietetes Studio. Denn die Marktplätze und die Käufer reagieren nicht auf künstlerische Bildsprache, sondern auf einen sauberen Hintergrund, korrekte Farben und knackscharfe Details. In dieser Anleitung gehen wir Schritt für Schritt durch: Materialien und Maße für den Rahmen, die richtige Lichtführung mit Diffusoren, die passenden Kamera-Einstellungen, die Situationen in denen die Box eher stört, sowie günstige Alternativen komplett ohne Kasten. Am Ende steht eine Checkliste, mit der Sie jede Aufnahmeserie in einheitlicher Qualität durchziehen.

Materialien, Rahmen, Bespannung und die richtigen Maße

Die Grundversion einer Fotobox ist an einem Abend gebaut und braucht nur drei Bausteine: einen stabilen Rahmen, lichtdurchlässige Wände und einen nahtlosen weißen Hintergrund im Inneren. Jeder dieser Bausteine beeinflusst das Ergebnis auf eigene Weise, deshalb schauen wir sie einzeln an.

Der Rahmen

  • Kartonkiste. Der günstigste Einstieg, Kosten praktisch null. Sie schneiden drei Wände heraus, die beiden Seiten und die Oberseite, und lassen dabei Rahmen von rund 3 bis 4 cm Breite als Verstärkung stehen. Rückwand und Boden bleiben unangetastet. Geeignet ist ein stabiler Umzugs- oder Gerätekarton, wichtig ist nur, dass die Wände nicht eingedrückt sind. Mit einem scharfen Cuttermesser vom Baumarkt schneidet es sich sauberer als mit der Schere.
  • PVC-Rohre oder Aluprofil. Ein Würfelrahmen aus Steckverbindern. Er ist zerlegbar, leichter und hält jahrelang. Zusammengesteckt wird er aus Kunststoffrohren mit 20 bis 25 mm Durchmesser und passenden T-Stücken und Winkeln aus der Sanitärabteilung des Baumarkts, das kostet nur wenige Euro. Diese Variante lohnt sich, wenn Sie regelmäßig fotografieren und nicht jedes Mal einen neuen Karton kleben möchten. Statt PVC geht auch dünnes Aluprofil, das ist teurer, aber formstabiler.
  • Fertiges Faltlichtzelt. Ein Stoffwürfel auf einem Federgestell, der sich wie ein Pop-up-Zelt flach zusammenfalten lässt. Solche Faltlichtzelte gibt es günstig, sie sparen die Bauzeit und reisen mit, falls Sie nicht zu Hause fotografieren. Nachteil ist die feste Größe: für großes Produkt müssen Sie gleich ein großes Zelt kaufen.

Womit die Wände bespannen

Die Wände sind der eigentliche Diffusor, und von ihnen hängt die Weichheit des Lichts direkt ab. Geeignet sind Transparentpapier (Skizzen- oder Architektenpapier), dünner weißer Stoff (Baumwolle, ein altes Bettlaken, Vlies wie Malervlies), matte Kunststoffplatten oder Backpapier. Entscheidend ist, dass das Material weiß und gleichmäßig ist, ohne Muster und ohne Gelbstich, sonst färbt es das Licht ein. Prüfen Sie das Material im Gegenlicht: wenn dahinter ein warmer oder gräulicher Fleck durchschimmert, verfälscht sich die Produktfarbe.

  • Transparentpapier liefert das gleichmäßigste Licht, reißt aber leicht und vergilbt mit der Zeit.
  • Vlies und Baumwolle sind robuster. Man kann sie mit dem Tacker straff auf den Rahmen spannen und muss sie jahrelang nicht wechseln.
  • Matter Kunststoff (milchiges Polypropylen, sogenanntes Milchplastik) hält am längsten und lässt sich einfach vom Staub abwischen.

Spannen Sie das Material immer straff und faltenfrei auf: jede Falte ist ein Streifen ungleichmäßiger Helligkeit, der sich auf dem Produkt abzeichnet.

Maße je nach Produkt

Die passende Größe der Box richtet sich nach dem Produkt. Eine zu enge Box wirft Schatten auf die Rückwand und lässt keinen Platz, um den nahtlosen Hintergrund als Bogen zu legen. Als Faustregel gilt: die Kantenlänge der Box sollte mindestens das 2- bis 2,5-fache des Produkts betragen, damit seitlich Raum für Hintergrund und Licht bleibt. Die folgende Tabelle gibt Richtwerte in Zentimetern.

ProduktKantenlänge der Box
Schmuck, Kleinteile30 bis 40 cm
Kosmetik, Flakons, Tassen50 bis 60 cm
Schuhe, mittlere Verpackung70 bis 80 cm
Taschen, große Kartons90 bis 100 cm

Der Spielraum in der Höhe ist genauso wichtig wie in der Breite: wenn Sie von oben fotografieren, muss über dem Produkt Abstand für eine obere Lampe bleiben. Ein Universalmaß gibt es nicht. Wenn Ihr Sortiment sehr unterschiedlich groß ist, ist es sinnvoller, eine große Box zu bauen und darin kleine Produkte näher an die Rückwand zu stellen, als mehrere Boxen nebeneinander aufzubauen. So sparen Sie Platz und arbeiten immer in derselben, einmal eingerichteten Lichtumgebung. Achten Sie beim Bau darauf, dass die Rückwand und der Boden eine durchgehende, knickfreie Fläche bilden können, denn genau dort entsteht später der nahtlose Hintergrund, der ein professionelles Produktbild ausmacht.

Für den Zusammenbau brauchen Sie kaum Werkzeug. Beim Karton genügen ein Cuttermesser, ein Metalllineal als Schnittkante und eine Schneidunterlage, damit der Tisch heil bleibt. Beim Rohrgestell werden die Steckverbinder einfach von Hand zusammengedrückt, gegen Verrutschen hilft ein Tropfen Heißkleber. Die Bespannung fixieren Sie am Karton mit doppelseitigem Klebeband, am Rohrrahmen mit Klettband oder kleinen Klammern, so lässt sich der Diffusor zum Reinigen oder Austauschen jederzeit abnehmen. Wer die Box oft transportiert, sollte auf eine zerlegbare Konstruktion setzen und die Wände separat aufrollen. Denken Sie auch an die Standfläche: eine leicht schräg abfallende Grundplatte aus einer glatten Holz- oder Kunststoffplatte gibt dem Produkt sicheren Halt und lässt sich zwischen den Aufnahmen bequem abwischen. Mit diesen Kleinigkeiten wird aus einem improvisierten Kasten ein Arbeitsgerät, das Sie über viele Aufnahmeserien hinweg zuverlässig nutzen.

Beleuchtung und Diffusoren richtig einsetzen

In der Produktfotografie entscheidet das Licht über alles, und genau am Licht scheitert eine selbstgebaute Fotobox am häufigsten. Der Kasten selbst kostet fast nichts, aber an den Lampen darf man nicht sparen, weil sich schlechtes Licht in der Nachbearbeitung nicht retten lässt. Der häufigste Anfängerfehler ist es, mit Lampen unterschiedlicher Farbtemperatur zu leuchten.

Welche Lampen sich eignen

  • Mindestens zwei Lampen, besser drei (zwei seitlich, eine von oben). Eine einzelne Lampe erzeugt immer ein Helligkeitsgefälle: eine Seite des Produkts ist hell, die andere säuft im Schatten ab.
  • Gleiche Farbtemperatur bei allen Lampen. Nehmen Sie entweder überall 5000 bis 5500 K (neutrales Tageslichtweiß) oder überall 4000 K. Eine Mischung aus warmer und kalter Lampe ergibt einen schmutzigen Farbton, der sich später nicht mehr korrigieren lässt, weil ein Teil des Bildes gelblich und der andere bläulich ist.
  • Leistung ab 15 bis 20 Watt LED pro Lampe. LEDs werden nicht heiß und verfälschen die Farbe nicht, anders als alte Glühlampen, die zusätzlich den Karton anschmoren können.
  • Hoher Farbwiedergabeindex. Achten Sie auf die Angabe CRI über 90 (manchmal als Ra>90 angegeben), sonst kippen die Produktfarben: Rot wird ziegelfarben, Violett wirkt grau. Günstige Baumarktlampen haben oft nur CRI 70 bis 80 und taugen für Produktfotos nicht.
  • Flimmern vermeiden. Sehr billige LED-Lampen pulsieren, und bei kurzen Belichtungszeiten ziehen dann Streifen durchs Bild. Wenn Sie das Flimmern mit der Zeitlupenfunktion der Handykamera sehen, tauschen Sie die Lampe besser aus.

Wo die Lampen stehen

Die Lichtquellen leuchten von außen durch die Diffusorwände, nicht direkt ins Innere. Direktes Licht auf das Produkt erzeugt Reflexe und harte Schatten, also genau das, was wir vermeiden wollen. Das Grundschema: zwei Lampen im Winkel von rund 45 Grad seitlich, eine von oben zur Aufhellung der Produktoberseite. Wenn nur zwei Lampen zur Verfügung stehen, stellen Sie diese seitlich auf und legen oben auf die Box eine Platte aus weißem Styropor als Reflektor. Dieser wirft reflektiertes Licht nach unten und hellt die Oberseite auf.

Führlicht, Aufhelllicht und Schatten steuern

Ein völlig schattenfreies Bild wirkt flach, deshalb ist ein kleiner weicher Schatten unter dem Produkt sogar erwünscht: er gibt das Gefühl, dass der Gegenstand auf einer Fläche steht und nicht in der Luft schwebt. Um den Schatten zu steuern, arbeitet man mit einem Führlicht (die etwas hellere Lampe) und einem Aufhelllicht (die schwächere Lampe). Der Helligkeitsunterschied zwischen den Seiten erzeugt eine sanfte Plastizität. Geregelt wird das nicht über einen Dimmer, sondern über den Abstand: schieben Sie die Aufhelllampe weiter weg, und der Schatten auf ihrer Seite wird tiefer. So bekommen Sie mit zwei identischen Lampen ganz ohne Technik ein plastisches, aber sauberes Licht.

Doppelte Diffusion für glänzende Oberflächen

Wenn immer noch zu viel Licht ankommt und Reflexe sichtbar sind, fügen Sie eine zweite Diffusorschicht hinzu: ein Blatt Transparentpapier zwischen Lampe und Wand. Je weiter die Lampe von der Box entfernt ist und je mehr Stofflagen dazwischen liegen, desto weicher wird das Licht und desto sanfter die Schattenverläufe. Für glänzende Oberflächen wie Flakons, Metall oder lackierte Verpackungen ist diese doppelte Diffusion Pflicht: Glanz spiegelt die Lichtquelle wie ein Spiegel, und je größer und gleichmäßiger die leuchtende Wand ist, desto sauberer wird der Reflex auf dem Produkt. Bei stark spiegelnden Gegenständen ist der Reflex der Wand immer sichtbar, die Aufgabe besteht darin, ihn ordentlich und langgezogen zu machen statt punktförmig und grell. Wer diese Punkte beherrscht, hat den mit Abstand wichtigsten Teil der Produktfotografie im Griff.

Praktische Lampenwahl aus dem Baumarkt

Sie müssen keine teuren Studioleuchten kaufen. Für den Anfang genügen zwei bis drei einfache Klemmspots oder Schreibtischlampen mit E27-Fassung, bestückt mit LED-Leuchtmitteln der passenden Angaben. Achten Sie beim Kauf auf der Verpackung auf drei Werte: die Farbtemperatur in Kelvin, den CRI oder Ra-Wert und die Wattzahl beziehungsweise die Lumen. Ein LED-Leuchtmittel mit rund 1500 bis 2000 Lumen entspricht etwa der genannten Leistung von 15 bis 20 Watt und reicht für eine mittelgroße Box gut aus. Kaufen Sie am besten mehrere Leuchtmittel aus derselben Packung, dann stimmen Farbtemperatur und Farbwiedergabe garantiert überein. Wer öfter fotografiert, greift zu flächigen LED-Panels mit eingebautem Diffusor, die von Haus aus weiches Licht liefern und sich oft in der Helligkeit regeln lassen. Ganz gleich, welche Bauform Sie wählen: das Prinzip bleibt, große weiche Fläche statt kleiner harter Punkt, gleiche Farbe bei allen Quellen, und der Weg des Lichts führt immer durch die Diffusorwand.

Kamera-Einstellungen, nahtloser Hintergrund und Perspektiven

Der Kasten steht, die Lampen sind ausgerichtet. Jetzt geht es an die eigentliche Aufnahme. Es funktioniert sowohl mit dem Handy als auch mit einer Systemkamera, die Prinzipien sind dieselben: stabile Kamera, minimales Rauschen, manueller Weißabgleich und ein sauberer Hintergrund.

Nahtloser Hintergrund

Legen Sie ins Innere ein Blatt weißes Tonpapier oder eine matte Kunststoffplatte als Bogen: vom Boden sanft nach oben an die Rückwand, ohne Knick an der Stoßkante. So verschwindet die Horizontlinie, und das Produkt scheint im Weiß zu schweben. Befestigen Sie das Blatt so, dass es nicht zurückfedert und keinen Knick bildet, sonst zeichnet sich an der Biegung ein dunkler Streifen ab. Für Kontrast legt man unter helle oder weiße Produkte manchmal einen schwarzen oder farbigen Hintergrund: auf Schwarz wirken Schmuck und Parfüm besonders edel, ein grauer Hintergrund hilft, wenn das Produkt selbst weiß ist und mit dem weißen Untergrund verschmelzen würde.

Kamera-Einstellungen

  • Stativ ist Pflicht. Schon leichtes Zittern der Hände verwischt im geschlossenen Kasten die Details. Ein Tischstativ oder ein Stapel Bücher genügt. Vom Stativ aus lässt sich eine Serie gleichartiger Produkte aus derselben Position aufnehmen, und die Bilder werden einheitlich.
  • ISO möglichst niedrig (100 bis 200), damit kein Rauschen entsteht. Licht ist in der Box genug vorhanden, und bei hohem ISO zerfallen kleine Details und Text auf der Verpackung zu Matsch.
  • Weißabgleich manuell über eine Graukarte oder ein Blatt Papier einstellen, nicht auf Automatik. Der Auto-Weißabgleich schwankt von Bild zu Bild, und in der Galerie wirkt ein Produkt dann wärmer, das nächste kälter.
  • Am Handy Blitz und HDR ausschalten, mit dem Hauptobjektiv (nicht dem Weitwinkel) fotografieren und den Fokus per Tipp auf das Produkt setzen. Das Weitwinkelmodul verzerrt die Geometrie und lässt die geraden Linien der Verpackung kippen.
  • Blende bei der Systemkamera f/8 bis f/11, damit das Produkt durchgehend scharf ist. Eine offene Blende von f/2.8 würde den hinteren Rand des Produkts verwaschen, für ein Produktbild braucht es aber Schärfe über die gesamte Tiefe.
  • RAW verwenden. Fotografieren Sie in maximaler Auflösung und nach Möglichkeit im RAW-Format (oder im Pro-Modus des Handys): mehr Bilddaten bedeuten spätere Korrekturen an Belichtung und Farbe ohne Qualitätsverlust.

Perspektiven und Anzahl

Marktplätze wie Amazon.de und Otto belohnen eine vollständige Galerie: Hauptbild frontal, dazu 3/4-Ansicht, Aufsicht, Makro der Details, Rückseite mit Inhaltsstoffen oder Etikett. Nehmen Sie gleich 5 bis 8 Perspektiven eines Produkts in einem Durchgang auf, solange das Licht steht, sonst müssten Sie für jedes Bild neu umbauen und das Licht neu ausrichten.

  • Hauptbild frontal, Produkt mittig, füllt 70 bis 80 % des Bildes.
  • 3/4-Ansicht zeigt Volumen und Form.
  • Makro auf Textur, Naht, Inhaltsstoffe oder ein wichtiges Detail.
  • Aufsicht von oben für flache Gegenstände und Auslagen.
  • Mit Maßstab oder in der Hand, wenn die reale Größe wichtig ist.

Selbst in einer sauberen Fotobox wird der Hintergrund selten perfekt weiß: es bleiben graue Ecken, Schatten auf dem Bogen, ein leichter Gelbstich. Das ist normal und wird in der Nachbearbeitung korrigiert, dazu unten mehr. Versuchen Sie nicht, den Hintergrund um jeden Preis mit Licht rein weiß zu bekommen, denn Überstrahlung frisst die Ränder und feinen Details des Produkts. Belichten Sie lieber mit Reserve in den Schatten und heben Sie den Hintergrund erst am fertigen Bild auf. So bleibt das Produkt scharf und detailreich, und der weiße Hintergrund kommt sauber aus der Nachbearbeitung.

Selbstauslöser und einheitliche Serie

Ein letzter Kniff spart Zeit und verbessert die Schärfe: arbeiten Sie mit dem Selbstauslöser oder einem Fernauslöser, statt den Auslöser mit dem Finger zu drücken. So überträgt sich beim Auslösen kein Wackeln auf das Stativ, was gerade bei längeren Belichtungszeiten im Makro den Unterschied macht. Legen Sie außerdem einen festen Bildausschnitt fest und ändern Sie ihn während einer Serie nicht mehr. Wenn jedes Produkt an derselben Stelle im selben Abstand steht, wirken die Bilder in der Galerie wie aus einem Guss, und der Käufer erfasst das Sortiment auf einen Blick. Markieren Sie sich die Position der Grundplatte mit einem Klebestreifen, dann steht jedes neue Produkt sofort richtig. Diese Disziplin bei Ausschnitt und Abstand ist unscheinbar, entscheidet aber darüber, ob eine Produktseite aufgeräumt und vertrauenswürdig wirkt oder zusammengewürfelt.

Eine Fotobox ist nicht universell. Sie ist für kleine und mittlere Produkte mit klarer Form gemacht, und in etlichen Situationen stört sie mehr, als sie hilft. Die Grenzen der Methode zu kennen spart Zeit: man muss sich nicht mit dem Kasten quälen, wo die Aufgabe anders gelöst wird.

  • Große Produkte. Möbel, Koffer, Fahrräder oder große Haushaltsgeräte passen nicht in die Box. Für sie braucht es einen nahtlosen Hintergrund an der Wand und eine Aufnahme im Raum mit gestreutem Fensterlicht oder mit zwei großen Lichtquellen durch einen Diffusor.
  • Produkte mit Textur und Volumen. Kleidung, Schuhe am Fuß und Textilien profitieren von weichen, gerichteten Schatten, die Form und Struktur wiedergeben. Das gleichmäßige, schattenlose Licht der Box macht sie flach, Wolle wirkt nicht mehr flauschig, und die Falten des Stoffs verschwinden.
  • Lifestyle und Szenen. Wenn das Produkt im Interieur, auf einem gedeckten Tisch mit Requisiten oder in den Händen gezeigt werden soll, ist die Box per Definition ungeeignet, sie reißt den Gegenstand aus jedem Kontext.
  • Glas und Spiegel. Durchsichtiges und verchromtes Material fängt in der Box die Spiegelung der Wände und Lampen ein. Hier braucht es ein eigenes Schema mit Polarisation sowie schwarzen und weißen Flaggen für kontrollierte Reflexe. Die Fotobox allein rettet das nicht, auch wenn eine gleichmäßig leuchtende Wand hilft, einen sauberen Verlauf auf dem Glas zu bekommen.
  • Sehr kleine Detailobjekte. Chips, Schmuck mit Steinen oder Münzen verlangen ein Makroobjektiv und punktgenaue Beleuchtung der Kanten. Das gestreute Licht der Box schluckt das Funkeln des Steins.

Günstige Alternativen ohne Box

Der billigste Diffusor überhaupt ist das Fenster. Stellen Sie das Produkt einen halben Meter vor ein großes Fenster an einem bewölkten Tag, oder hängen Sie bei Sonne eine weiße Gardine als Diffusor davor. Ein Reflektor aus einer Styroporplatte oder beschichtetem Karton auf der gegenüberliegenden Seite hellt die Schatten auf. Oft ist das Ergebnis am Fenster besser als in einer schlecht gebauten Box mit unterschiedlichen Lampen, denn Tageslicht hat immer eine perfekte Farbwiedergabe. Der einzige Nachteil: Wetter und Tageszeit haben Sie nicht in der Hand. Ein weiterer günstiger Weg ist ein weißer Durchlichtschirm oder Transparentpapier vor einer Stehlampe, dazu ein Blatt Tonpapier als Hintergrund. Das Licht wird weich, und es steht mehr Platz für großes Produkt zur Verfügung als in jeder Box.

Häufige Fehler

  • Lampen unterschiedlicher Farbtemperatur sind die Hauptursache für schmutzige Farben. Alle Quellen gleich in Kelvin und CRI.
  • Direktes Licht in die Box statt durch die Wände ergibt Reflexe und harte Schatten. Die Quelle immer außen, durch den Diffusor.
  • Gelber oder farbiger Wandstoff färbt das ganze Bild ein. Material immer im Gegenlicht prüfen.
  • Automatischer Weißabgleich lässt die Farbe wandern, das Produkt stimmt nicht mit der Realität überein.
  • Aufnahme aus der Hand ohne Stativ bringt Verwacklung und Detailverlust, besonders im Makro.
  • Schmutz und Staub auf Produkt und Hintergrund fallen auf Weiß sofort auf. Vor der Aufnahme mit einem Mikrofasertuch abwischen.
  • Fingerabdrücke auf Glanz und Glas sind die häufigste Handkorrektur. Handschuhe tragen oder nach jedem Umstellen nachwischen.
  • Schiefe Geometrie, das Produkt kippt, die Verpackung wird zur Raute. Streng frontal und im Lot fotografieren.
  • Überstrahlter Hintergrund, das Weiß ist auf null ausgebrannt und hat die Ränder gefressen. Lieber knapper belichten und später aufhellen.

Checkliste vor der Aufnahme

  • Produkt sauber und entstaubt.
  • Alle Lampen gleiche Farbtemperatur und CRI über 90.
  • Licht kommt von außen durch den Diffusor.
  • Weißabgleich über die Graukarte gesetzt.
  • Stativ fixiert, ISO minimal, Blende auf f/8 bis f/11 abgeblendet.
  • Hintergrund nahtlos, ohne Knick und Falte.
  • 5 bis 8 Perspektiven aufgenommen, Hauptbild frontal und im Lot.

Richten Sie die Szene einmal ein und lassen Sie sie aufgebaut, dann schleusen Sie die gesamte Warenpartie nacheinander hindurch. So kommen alle Produktbilder in einem einheitlichen Stil aus der Box.

Wie groß sollte eine Fotobox sein?
Mindestens das 2- bis 2,5-fache der Produktkantenlänge, damit seitlich Platz für Hintergrund und Licht bleibt. Für Schmuck reichen 30 bis 40 cm, für Kosmetik 50 bis 60 cm, für Schuhe 70 bis 80 cm.

Welche Lampen brauche ich für die Fotobox?
Mindestens zwei, besser drei LED-Lampen ab 15 bis 20 Watt, alle mit gleicher Farbtemperatur (5000 bis 5500 K) und einem CRI über 90. Gemischte Farbtemperaturen ruinieren die Farben.

Was kostet eine selbstgebaute Fotobox?
Aus Karton und Transparentpapier praktisch null. Ein Rahmen aus PVC-Rohren aus dem Baumarkt kostet nur wenige Euro, ein fertiges Faltlichtzelt ist ebenfalls günstig zu haben.

Welches Material eignet sich für die Wände?
Transparentpapier, dünner weißer Stoff wie Baumwolle oder Vlies, mattes Milchplastik oder Backpapier. Es muss weiß und ohne Gelbstich sein, sonst färbt es das Licht.

Warum werden meine Produktfarben falsch?
Meist wegen Lampen mit niedrigem CRI oder gemischter Farbtemperatur, oder wegen des automatischen Weißabgleichs. Gleiche Lampen mit CRI über 90 und ein manueller Weißabgleich lösen das Problem.

Kann ich mit dem Handy in der Fotobox fotografieren?
Ja. Blitz und HDR ausschalten, Hauptobjektiv nutzen, Stativ verwenden, im Pro-Modus mit fixiertem ISO und manuellem Weißabgleich arbeiten. Die Ergebnisse reichen für die meisten Produktbilder aus.

Warum soll das Licht durch die Wände statt direkt ins Innere?
Direktes Licht erzeugt harte Schatten und grelle Reflexe. Erst der Umweg durch die Diffusorwand macht die Lichtquelle groß und weich, genau das ist der Sinn der Box.

Wie bekomme ich glänzende Produkte reflexfrei?
Mit doppelter Diffusion: eine zweite Schicht Transparentpapier zwischen Lampe und Wand und größerer Abstand der Lampe. Bei stark spiegelnden Oberflächen zielt man auf einen sauberen, langgezogenen Reflex statt auf gar keinen.

Wann bringt eine Fotobox nichts?
Bei großen Produkten, Kleidung mit Textur, Lifestyle-Szenen, Glas und Spiegel sowie sehr kleinen Detailobjekten. In diesen Fällen sind Fensterlicht, gerichtete Schatten oder Makro-Setups die bessere Wahl.

Wie viele Bilder pro Produkt sollte ich machen?
5 bis 8 Perspektiven in einem Durchgang: Hauptbild frontal, 3/4-Ansicht, Aufsicht, Makro der Details und Rückseite mit Etikett oder Inhaltsstoffen.

Warum ist mein weißer Hintergrund grau?
Weil zu wenig Licht auf die Rückwand fällt oder der Bogen einen Knick hat. Kleine Grauwerte in den Ecken sind normal und werden am fertigen Bild aufgehellt, statt den Hintergrund mit Licht zu überstrahlen.

Brauche ich ein Stativ wirklich?
Ja. Im geschlossenen Kasten verwischt schon leichtes Zittern die Details, besonders im Makro. Ein Tischstativ oder ein Bücherstapel genügt und macht die Bildserie zudem einheitlich.

gdefoto

Selbst aus einer guten Fotobox brauchen die Bilder fast immer etwas Feinschliff: graue Ecken entfernen, den weißen Hintergrund sauber ausgleichen, Schatten auf dem Bogen glätten, Staub wegputzen. Viele Kategorien auf den Marktplätzen verlangen einen reinen weißen Hintergrund auf dem Hauptbild, und den bekommt man in der Box selten perfekt hin. Dafür braucht es keine Bildbearbeitungssoftware: laden Sie das Foto in unser kostenloses Freistellen-Tool von gdefoto, holen Sie sich das Produkt in Sekunden auf transparentem oder weißem Hintergrund und setzen Sie es in die Galerie. Wenn das Sortiment wächst und die Aufnahme ganze Tage kostet, übernehmen wir den Katalog-Komplettservice: fotografieren, bearbeiten und die fertige Galerie nach den Vorgaben des Marktplatzes liefern, während Sie sich um den Verkauf kümmern.

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